Deine Website ist da, aber sie bringt dir keine Anfragen. Klingt vertraut?
Bei den meisten Selbstständigen, mit denen ich spreche, liegt es nicht am Design. Es liegt an neun Sachen, die niemand mit ihnen gemacht hat.
In diesem Beitrag gehe ich diese neun Schritte mit dir durch, und du nimmst mit, was zu dir passt. Eins vorweg: ich rede heute nicht über Design, das ist eine andere Baustelle. Sichtbarkeit ist Strategie, Struktur, Texte und Technik.
Schritt 1: Schau ehrlich auf deine Zahlen
Bevor du irgendetwas an deiner Website verbesserst, brauchst du Zahlen, sonst optimierst du blind.
Es gibt von Google ein kostenloses Werkzeug, das heißt Search Console. Damit siehst du, für welche Suchbegriffe deine Seite überhaupt angezeigt wird, wie oft jemand klickt und auf welcher Position du landest. Wenn du das noch nicht eingerichtet hast: tu es. Es kostet zehn Minuten und 90 Tage Geduld, bis du verwertbare Daten siehst.
Genauso wichtig wie die Sichtbarkeit ist die Schnelligkeit. Das Werkzeug dafür heißt PageSpeed Insights, und wenn deine Seite auf dem Handy spürbar langsam ist, hast du ein technisches Problem, das du klären musst, bevor du an den Texten arbeitest.
Was ich häufig sehe: Selbstständige werden für ihren eigenen Namen oder einen Projektnamen gefunden, aber nicht für die Leistung, die sie verkaufen. Die Seite ist sichtbar, aber für die falschen Begriffe, und das ist die klassische Falle.
Schritt 2: Klär, wen du erreichen willst
Du kannst nicht für alle gut sein, also musst du wissen, wen du erreichen willst.
Deutschlandweit gegen hunderte Wettbewerber:innen anzukommen, ist für die meisten Selbstständigen sehr schwer. Lokal in deiner Region oder in einer Nische sieht es ganz anders aus.
Schreib auf, was du wirklich verkaufen willst, nicht alles, was du theoretisch könntest. Und schreib auf, wo deine Wunschkund:innen sind: lokal, bundesweit oder in einer bestimmten Branche?
Mit dieser Klarheit kann ich eine Website neu denken. Ohne diese Klarheit bringt jede Optimierung wenig.
Schritt 3: Such die richtigen Suchbegriffe
Du brauchst keine endlose Liste mit hundert Suchbegriffen, sondern drei bis fünf Themen-Bündel, und pro Bündel eine Seite auf deiner Website.
Ein Themen-Bündel ist eine Gruppe ähnlicher Suchbegriffe, die zur selben Seite führen. Ein Beispiel aus einem Projekt mit einer Designerin, die regional Branding und Printdesign anbietet: wir hatten drei Bündel. Das erste war Branding regional mit Begriffen wie „Branding [Stadt]“ oder „Corporate Design [Region]“, die alle auf ihre Branding-Seite gehen. Das zweite war Printdesign regional mit „Flyer erstellen [Stadt]“ oder „Visitenkarten Design [Stadt]“, die alle auf ihre Print-Seite gehen. Das dritte waren Wissens-Themen für den Blog wie „Was kostet ein Logo“ oder „Branding-Farben richtig wählen“, wobei jeder Blogbeitrag eine eigene Zielseite ist.
Wo du diese Begriffe findest: die Search Console zeigt dir, wofür du heute schon in der Suche auftauchst, ohne dass jemand klickt, und da liegt oft schon ein Bündel verborgen. Plus zeigt Google bei jeder Suche unten „ähnliche Suchanfragen“, die dir verwandte Begriffe liefern.
Wenn dir zu einem Begriff keine Zielseite einfällt, ist der Begriff für dich nicht relevant. Drei bis fünf Bündel reichen, alles darüber ist Verzettelung.
Schritt 4: Technik-Check, ehrlich
Manche Websites brauchen nur neue Texte. Andere müssen technisch neu aufgesetzt werden, und hier muss man ehrlich sein.
Drei Faktoren entscheiden zusammen über einen Systemwechsel:
- Veraltete Software, auf der die Seite läuft.
- Über fünfzehn zusätzliche Programme, die alle gleichzeitig laufen müssen.
- Mobile Geschwindigkeit unter dem akzeptablen Bereich.
Wenn diese drei zusammenkommen, hilft kein Drüber-Pflastern mehr. Wer früher auf bestimmte Page Builder gesetzt hat, hat oft 20 Plugins drin, die alle ineinandergreifen, und das wird mit der Zeit zur Bremse. Mehr dazu im Beitrag zu Folge 2.
Ein wichtiger Punkt zum Schluss: ein Wechsel der Technik muss nicht heißen, dass die Optik sich ändert. Du kannst das Design eins zu eins übernehmen und nur technisch sauberer aufstellen.
Schritt 5: Migration mit Plan
Migration ist 80 Prozent Vorbereitung und 20 Prozent Ausführung. Wer am Tag der Umstellung noch grundsätzliche Sachen plant, hat sich verkalkuliert.
Was du brauchst, bevor du loslegst: eine Test-Umgebung, in der du die neue Seite vorbereitest, eine Liste, welche alten Seiten auf welche neuen umgeleitet werden, damit deine Sichtbarkeit bei Google nicht verloren geht, und eine technische Absicherung, damit du dich am Umstellungstag nicht selbst aus dem System aussperrst.
Wer das schon mal gemacht hat, kommt durch. Wer es zum ersten Mal versucht, verliert oft Sichtbarkeit. Plane mindestens einen halben Arbeitstag Vorbereitung pro Migration, oder lass jemanden machen, der das schon mehrfach durchgezogen hat.
Schritt 6: Texte und Struktur
Schöne Texte allein bringen nichts, wenn die Struktur dahinter nicht stimmt. Genau hier liegt der größte Hebel.
Pro Seite gehört eine eindeutige Hauptüberschrift. Wenn zwei Seiten dieselbe Hauptüberschrift haben, konkurrieren sie gegeneinander, und beide werden schlechter gefunden.
Jede Seite braucht außerdem einen eigenen Titel und eine eigene Beschreibung. Übernimm niemals den Standard, halte den Titel kurz und gib in der Beschreibung einen Hinweis darauf, was die Seite anbietet.
Denk an klare nächste Schritte für die Besucherin. Wenn jemand auf deiner Portfolio-Seite landet, sollte sie auch finden, wo sie anfragen kann, und Buttons und Verlinkungen gehören von Anfang an mitgedacht.
Außerdem brauchst du getrennte Seiten für getrennte Suchabsichten. Wenn du Branding und Print verkaufst, gehört das nicht auf eine gemeinsame Seite, sondern getrennt, damit jede für ihre Begriffe ranken kann.
Dazu kommt die interne Verlinkung. Jeder Blogartikel sollte auf die passende Angebots-Seite verlinken, und jede Portfolio-Seite verlinkt aufs Angebot.
Mein Rat zum Schluss: investiere die Hälfte deiner Zeit in Struktur und Verlinkung, nicht nur in den Wortlaut.
Schritt 7: Suchmaschinen verstehen lassen
Du kannst Suchmaschinen Hinweise mitgeben, damit sie deine Seite besser verstehen, und das passiert im Hintergrund.
Stell dir vor, Google liest deine Seite und versucht zu verstehen, was du anbietest. Du kannst kleine Hinweise einbauen, die im Hintergrund stehen und sagen: das hier ist ein Unternehmen, hier ist die Adresse, hier ist das Angebot. (Schema.org)
Plus gibt es neuerdings eine kleine Textdatei, die KI-Tools wie ChatGPT oder Perplexity verwenden, um deine Seite zu verstehen. Wer hier früh dran ist, wird auch in der KI-Suche eher gefunden. (llms.txt)
Das ist alles Technik im Hintergrund, die keine Besucherin sieht. Es ist eine Sache, die jemand mit Webdesign-Wissen einbauen kann, und wenn dir jemand eine Website baut, frag, ob das mit drin ist.
Schritt 8: Lokale Sichtbarkeit
Wenn du in einer Region arbeitest, ist lokale Sichtbarkeit dein größter Hebel. Es gibt drei Bausteine:
- Das Google-Unternehmensprofil: wenn du keins hast, leg dir eins an, mit Adresse, Leistungen und aktuellen Fotos. Antworte auf Bewertungen und poste regelmäßig Beiträge.
- Branchenverzeichnisse: such dir fünf bis zehn raus, die zu deiner Branche und Region passen, und trag dich überall mit denselben Angaben ein. Konsistenz zählt.
- Verlinkungen aus der Region: wenn du mit anderen Selbstständigen vor Ort kooperierst, frag nach einem Link. Lokal verankerte Verlinkungen sind besonders wertvoll.
Lokale Sichtbarkeit ist mehr Fleißarbeit als Strategie, aber sie zahlt sich bei kleinen lokalen Geschäften am schnellsten aus.
Schritt 9: Nach dem Launch beobachten
Die ersten Wochen entscheiden, wie Google deine neue Seite einsortiert.
Reiche die Sitemap in der Search Console gleich am ersten Tag ein und stoße die wichtigsten Seiten manuell zur Indexierung an. In den ersten zwei Wochen lohnt es sich, täglich kurz zu checken, ob alles sauber indexiert wird.
Und dann brauchst du Geduld. Selbst bei sauberem Setup braucht Google vier bis acht Wochen, bis sich neue Sichtbarkeit zeigt, und Rankings schwanken in dieser Zeit. Das ist normal.
Der Launch ist nicht das Ziel, sondern der Startschuss. Plane einen kurzen Slot pro Woche ein, um die Entwicklung zu beobachten.
Was du selbst kannst, wo du Hilfe brauchst
Selbst machen kannst du Schritt 1, 2, 3 und 8. Das ist Lesen, Tippen und Aufschreiben, ohne Spezialwissen.
Einen Profi brauchst du eventuell bei Schritt 4, 5 und 7, weil das technisch wird.
Schritt 6 ist Schreibarbeit plus Strategie. Selbst machen geht, oder jemand begleitet dich dabei.
Schritt 9 musst du selbst machen, weil niemand deine Kund:innen so gut kennt wie du.
Wenn du Hilfe brauchst
Wenn du gerade vor so einem Schritt stehst und nicht weißt, wo du anfangen sollst, schreib mir. Das Erstgespräch ist kostenlos, und in 30 Minuten klären wir, ob das, was du brauchst, zu dem passt, was ich anbiete.
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