Ich nutze Claude täglich im Studio. Für Antworten auf lange Kundenmails, für Zusammenfassungen von Projekt-Threads, für Angebote und Textvorschläge. KI spart mir jede Woche mehrere Stunden.
Was ich dabei nicht mache: einfach die Original-Mail mit allen Kundendaten reinkopieren.
Da stehen Namen drin. Adressen. Telefonnummern. Manchmal eine IBAN. Und diese Daten gehören meinen Kundinnen und Kunden.
Das Problem: manuelles Schwärzen ist mühsam und fehleranfällig. Bei einer langen Kundenmail übersehe ich schnell einen Nachnamen, eine Mailadresse in der Signatur, eine Telefonnummer im Footer. Und dann steht das Zeug doch bei Claude im Chat.
Deshalb habe ich mir mit Claude Code selbst ein kleines Tool gebaut, das mir diese Arbeit abnimmt. Es heißt Tarnkappe.
Die Idee
Eine Mail geht rein. Aus „Christina Koch“ wird [PERSON_1]. Aus der Telefonnummer wird [PHONE_1]. Aus der IBAN wird [IBAN_1]. Ich schaue kurz drüber, ob alles Sensible markiert ist, kopiere den anonymisierten Text zu Claude und arbeite dort weiter. Die Antwort von Claude kopiere ich zurück in Tarnkappe, und das Tool tauscht die Platzhalter wieder gegen die echten Namen aus.
Das Wichtigste an der ganzen Sache: nichts verlässt meinen eigenen Rechner. Tarnkappe läuft komplett im Browser. Keine Cloud, keine Datenübertragung, kein Server, auf dem die Kundendaten dann stattdessen landen könnten.
So funktioniert Tarnkappe in vier Schritten
Schritt 1: Text rein. Du fügst deine Mail einfach ein oder ziehst Dateien in das Fenster. Tarnkappe kann .eml-Dateien, PDF und Word-Dokumente lesen. Auch mehrere Mails auf einmal.
Schritt 2: Prüfen. Alles Sensible ist farbig markiert. Namen in einer Farbe, Adressen in einer anderen, Telefonnummern, IBANs, Firmennamen. Du siehst auf einen Blick, was Tarnkappe erkannt hat. Falls etwas übersehen wurde, markierst du es einfach mit der Maus und fügst es hinzu. Falls etwas fälschlich als Name erkannt wurde, klickst du es weg.
Schritt 3: Für Claude kopieren. Ein Klick und der anonymisierte Text landet in der Zwischenablage. Alternativ als .txt-Datei runterladen. Dann rüber zu Claude und dort arbeiten wie gewohnt.
Schritt 4: Zurückübersetzen. Wenn du mit Claude fertig bist, kopierst du die Antwort zurück in Tarnkappe. Das Tool tauscht die Platzhalter automatisch wieder gegen die echten Namen aus. Fertig ist deine Kundenantwort mit korrekten Namen.
Was Tarnkappe besonders macht
Stammkunden-Liste mit festen Platzhaltern. Wenn Christina bei dir immer [PERSON_1] sein soll, merkt sich Tarnkappe das. Beim nächsten Mal wird sie automatisch wieder zu [PERSON_1], nicht zu einer neuen zufälligen Nummer. Das ist praktisch, wenn du regelmäßig mit denselben Kundinnen zu tun hast. Ich selbst bin bei mir zum Beispiel immer [PERSON_5].
Verschiedene Schreibweisen erkennen. „Christina Koch“, „C. K.“ und christina.koch@beispiel.de werden als dieselbe Person erkannt und bekommen denselben Platzhalter. So bleibt der Zusammenhang erhalten, auch wenn in einer Mail mal die volle Form und mal nur die Initialen vorkommen.
Vor- und Nachnamen trennen. „Hallo Christina“ wird zu [PERSON_1_VORNAME]. Damit versteht Claude, dass hier eine persönliche Ansprache steht, nicht ein Nachname. Die Antwort wirkt dann auch beim Zurück-Übersetzen wieder natürlich.
Mehrere Mails auf einmal. Wenn du einen ganzen E-Mail-Verlauf oder mehrere Nachrichten gleichzeitig verarbeiten willst, geht das. Alte Zitate aus früheren Mails werden automatisch erkannt und entfernt, damit du nur den relevanten Teil bearbeitest.
Als App installierbar, funktioniert offline. Du kannst Tarnkappe auf deinem Rechner installieren wie eine normale App. Danach funktioniert es auch ohne Internet.
Ein Blick unter die Haube
Für alle, die neugierig sind, wie so ein Tool erkennt was sensibel ist und was nicht: Tarnkappe arbeitet mit drei Erkennungsebenen.
Muster. Für alles, das einer festen Struktur folgt, gibt es Muster-Regeln. E-Mail-Adressen sehen immer aus wie name@domain.endung. Telefonnummern haben bestimmte Ziffernfolgen. Eine IBAN hat 22 Zeichen und eine Prüfsumme, die man mathematisch kontrollieren kann. Dasselbe gilt für Adressen, Kundennummern und Steuernummern.
Regeln für deutsche Mails. Formulierungen wie „Sehr geehrter Herr Müller“ oder „Hallo Christina“, Grußformeln und Firmennamen mit „GmbH“, „e. K.“ oder „GbR“ sind typisch für deutsche Geschäftskorrespondenz. Tarnkappe kennt diese Muster und markiert sie automatisch.
Optional eine kleine KI für Namen. Für Namen, die keinem festen Muster folgen, gibt es zusätzlich ein Open-Source-Modell für die Namenserkennung (BERT). Das läuft komplett im Browser, kostenlos, offline, ohne dass Daten übertragen werden.
Und weil ich sicher gehen wollte, dass das Tool nicht doch irgendwohin telefoniert, ist im Browser eine Sicherheitsregel eingebaut (nennt sich Content-Security-Policy), die Tarnkappe technisch daran hindert, Daten an fremde Server zu schicken. Selbst wenn ich einen Fehler im Code hätte, könnte deine Mail den Browser nicht verlassen.
Gebaut habe ich Tarnkappe mit Claude Code. Das Hosting läuft bei Mittwald.
Was Tarnkappe nicht kann
Ich möchte ehrlich sein: keine automatische Erkennung ist zu hundert Prozent sicher. Deshalb gibt es die Prüf-Ansicht in Schritt 2, in der du selbst kontrollieren kannst was markiert wurde und was nicht. Blindes Vertrauen wäre falsch.
Gescannte PDFs, in denen der Text nur als Bild vorliegt, kann Tarnkappe nicht lesen. Und Outlook-Nachrichten im .msg-Format stehen auch noch auf der Liste.
Und ganz wichtig: Tarnkappe ersetzt keine rechtliche Prüfung oder Datenschutzberatung. Wenn du dir bei einem konkreten Fall unsicher bist, ob du Daten überhaupt verarbeiten darfst, frag deinen Anwalt oder deine Datenschutzbeauftragte. Das Tool macht deine Arbeit sicherer, aber es entbindet dich nicht von deiner eigenen Verantwortung.
Was mir das im Alltag bringt
Ein konkretes Beispiel aus meiner Woche: ich protokolliere alle Infos zu einem Kundenprojekt in einem Projektordner, mit dem Claude direkt arbeiten kann. Absprachen, Feedback aus Meetings, kleine Aufgaben, offene Fragen. Damit aber in diesem Ordner keine sensiblen Kundendaten liegen, jage ich alles vorher durch Tarnkappe. Claude sieht dann [PERSON_3] und [FIRMA_2], und ich habe trotzdem meinen kompletten Projekt-Kontext griffbereit.
Darüber hinaus nutze ich Claude für lange Kundenmails, Antwortentwürfe, Zusammenfassungen von Threads und Angebote. Alles ohne dass ich vorher fünfzehn Minuten mit dem Schwärzen von Nachnamen verbringe oder ein schlechtes Gefühl habe.
Und ich habe Klarheit gegenüber meinen Kundinnen. Wenn eine mich fragt, ob ich ihre Daten in eine KI kippe, kann ich ehrlich sagen: nein, ich schicke keinen ihrer Namen an Claude. Die KI sieht nur [PERSON_1].
Warum ich das jetzt teile
Ich baue gerade an einer Lernplattform, auf der ich zeigen möchte, wie Selbstständige KI im Business-Alltag sinnvoll einsetzen können. Von einfachen Automatisierungen bis hin zu eigenen KI-Agenten, die einem im Hintergrund Arbeit abnehmen.
Und je tiefer ich in dieses Thema gehe, desto klarer wird: KI im Business geht nur, wenn Kundendaten sauber geschützt sind. Das ist die Grundvoraussetzung. Deshalb ist Tarnkappe für mich nicht nur ein persönliches Werkzeug, sondern der erste Baustein für alles was da noch kommt.
Wenn du das für deine Kundenkorrespondenz auch ausprobieren möchtest, findest du Tarnkappe hier: tarnkappe.studio-jume.de
Die App in der Beta ist offen und frei nutzbar. Ich freue mich über Feedback. Wenn dir etwas fehlt oder ein Erkennungsfehler auftaucht, schreib mir. Ich baue Tarnkappe Schritt für Schritt weiter aus.



