Letzte Woche habe ich einen Vortrag auf einer Messe gehalten, in einem Raum voller Gastronominnen und Gastronomen. Ich stand vorher noch nie auf einer Bühne und war ehrlich gesagt ziemlich nervös. Aber danach kamen den ganzen Tag tolle Leute auf mich zu und ich hatte wunderbare Gespräche. Weil der Inhalt viele Menschen anscheinend ins Nachdenken gebracht hat, möchte ich ihn hier auch festhalten.
Es geht um einen Satz, der die ganze Idee auf den Punkt bringt: Die Hälfte deiner Gäste hat schon entschieden, ob sie zu dir kommt, bevor sie überhaupt in deinem Lokal ankommt. Das heißt: ganz viel von dem, was Gastronomie heute leistet, passiert vorher. Online. Über deine Website und dein Google-Profil.
Und genau da haben viele Lokale noch Luft nach oben.
Die Geschichte vom Herbert
Dem Herbert hat vor zehn oder fünfzehn Jahren jemand gesagt: „Für dei Wödschaffd brauchst fei a a webseid“ zu Deutsch: Für deine Wirtschaft brauchst du auch eine Website. Also hat Herbert sich eine Website erstellen lassen:

Diese Art von Websites kennen wir alle. Oben ein großer Gebäude-Banner, die Speisekarte als JPG hinterlegt, am Rand ein Gästebuch und ein Besucherzähler. Vielleicht noch die Öffnungszeiten, die letztes Jahr aktualisiert wurden. Vielleicht auch nicht.
Diese Websites gibt es auch 2026 immer noch viel zu oft. Als ich für den Vortrag ein abschreckendes Beispiel gesucht habe, hätte ich in fünf Sekunden zehn davon gefunden. Ich wollte aber niemanden blamieren und habe eine solche Beispielseite selbst nachgebaut. Anders als „gebastelt“ kann man das Ergebnis ehrlicherweise nicht nennen.
Die große Frage ist: bekommt Herbert mit so einer Website heute noch neue Gäste? Vielleicht. Die sind dann 60 oder 70, also ungefähr 7x so alt wie seine Website. Denn deine Gäste und ihre Erwartungen haben sich in den letzten zehn Jahren verändert.
Ich bin ein ziemlich schwieriger Gast
Lass mich dir erzählen, warum. Ich bin Vegetarierin. Wer schon mal mit deutschem Essen zu tun hatte, weiß: das lässt sich nicht immer leicht vereinbaren. Deswegen schaue ich mir fast immer vorher die Speisekarte an. Idealerweise steht da dann nicht „Beilagensalat“ oder „veganes Curry“ als einzige Option.
Außerdem bin ich 29 Jahre alt. Was das bedeutet? Ich rufe nicht gerne an. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, ruf ich in keinem Lokal an, um einen Tisch zu reservieren.

Damit bin ich nicht allein: 47 Prozent der Menschen reservieren am liebsten direkt online. Und dann kommt mein zweiter Endgegner noch mit ins Spiel: die Parkplatzsuche. Dabei wäre es so einfach, Parkplatz-Infos auf die Website zu packen, damit Menschen wie ich keine Angst mehr vorm Hinfahren haben müssen.
Du könntest jetzt sagen: „Du bist einfach pingelig.“ Deshalb habe ich ein paar Zahlen von Bitkom mitgebracht:
- 69 Prozent der Menschen erwarten, dass ein Restaurant eine Website hat. Bei den unter 30-Jährigen sind es 80 Prozent.
- 53 Prozent schauen sich vorher online die Speisekarte an. Bei den unter 30-Jährigen 65 Prozent.
- Also fast die Hälfte entscheidet schon vor der Haustür, wo sie hingeht.
Und das sind längst nicht die einzigen Fragen, die Menschen vor einem Besuch beschäftigen. Ich habe im Vortrag ein paar weitere gesammelt: Ist der Eingang barrierefrei, wenn ein Familienmitglied im Rollstuhl kommt? Bekomme ich mit Laktoseintoleranz überhaupt was zu essen? Darf mein Hund mit? Kann ich bei euch einen runden Geburtstag feiern?
All diese Fragen beantwortet entweder deine Website oder niemand. Und wer keine Antwort findet, kommt oft nicht.
Drei Fragen, mit denen du starten kannst
Wenn du jetzt an deiner Website etwas verändern willst, würde ich mit drei Fragen anfangen.
Frage 1: Wird mein Lokal über Google überhaupt gefunden und stimmen die Infos?
Nimm dein Handy raus und such einfach mal dein Lokal. Gibt es ein Google-Profil? Sind die Öffnungszeiten hinterlegt? Sind da Bilder zu sehen?
Dieses Profil ist schon mal die halbe Miete im Internet. Die andere Hälfte ist deine Website.
Der häufigste Fehler, den ich in Google-Profilen sehe: Die Feiertagsöffnungszeiten sind falsch. Im Google-Profil steht „am Feiertag geöffnet“, der Aushang am Lokal sagt was anderes. Der Besucher, der extra deswegen gekommen ist, kommt kein zweites Mal und hinterlässt im schlechtesten Fall eine schlechte Bewertung.
30 Prozent der Menschen sagen, dass Online-Bewertungen das wichtigste Auswahlkriterium sind. Deshalb ist es so wichtig, auf Bewertungen zu antworten. Vor allem auf die unangenehmen, denn genau die werden am gründlichsten gelesen.
Frage 2: Gibt es eine maschinenlesbare Speisekarte?
Viele Menschen googeln ihre Frage nicht mehr, sondern fragen direkt die KI. Am Tag meines Vortrags habe ich zum Beispiel ChatGPT gefragt: „Wo kann ich in Lauf gut essen gehen?“ Die KI hat mir eine Antwort gegeben. In dieser Antwort willst du mit deinem Lokal auftauchen.
Dafür musst du wissen: KI-Systeme lesen Texte, keine Bilder. Wenn deine Speisekarte ein JPG oder PDF ist, bekommt die KI davon nichts mit. Dann weiß sie nicht, dass es bei dir vegane Gerichte, glutenfreie Varianten oder dein berühmtes Linsencurry gibt.
Deshalb: die Speisekarte muss als Text auf deiner Website liegen. Und sie muss aktuell gehalten werden. Die Leute stellen Fragen in die KI, und die KI braucht eine Grundlage, um antworten zu können. Diese Grundlage ist der Text auf deiner Website.
Frage 3: Wie viel Arbeit nimmt mir die Website gerade ab?
Denk mal kurz nach, wann Gäste anrufen, um einen Tisch zu reservieren. Klar: zu den Öffnungszeiten. Also genau dann, wenn andere Gäste da sind.
Dann muss jemand ans Telefon, das Reservierungsbuch suchen, den Namen notieren und dreimal nachfragen, weil der Name ins Telefon genuschelt wurde. Währenddessen wartet das Essen für die Gäste, die längst da sind.
Online-Reservierung dagegen kostet null Minuten deiner Servicekraft. Und sie funktioniert auch, wenn ich um Viertel nach zehn auf dem Sofa liege und für Samstag noch einen Tisch brauche.
Dasselbe gilt für Fragen, die immer wieder kommen: Parkplätze, Öffi-Anbindung, Barrierefreiheit, Allergien, Events, Hund, Feiertag. Dafür muss deine Website nicht umgebaut werden. Es reicht, diese Infos einmal sauber aufzuschreiben: „sechs Parkplätze vorm Haus“, „Rampe am Eingang“, „Allergene auf Anfrage am Tisch“. Menschen, die wegen dieser Fragen nicht angerufen hätten, kommen dann vielleicht trotzdem.
Was deine Website alles leisten kann
Das Basis-Paket einer modernen Gastro-Website ist überschaubar: ein FAQ-Bereich, der die typischen Fragen beantwortet. Die Speisekarte als Text. Online-Reservierung. Richtige Öffnungszeiten.
Darüber hinaus kann die Website eine Menge mehr. Ein paar Beispiele:
- Papierlose Speisekarte mit QR-Code am Tisch
- Eigenes Bestellsystem für Abholung
- Formular zur Event-Konfiguration, mit dem Gäste ihr Event anfragen können
- Virtuelle Warteschlange für den Spitzen-Freitag
- Karriere-Seite mit Bewerbungsformular
- Schulungsvideos für neue Mitarbeitende
- Feedback-Formular, damit Kritik erst bei dir landet und nicht gleich öffentlich
- Gutscheine online verkaufen
- Newsletter für die eigenen Events und Aktionen
Und wenn du Lust hast, darf eine Website auch kreativ werden. Ein Gericht-Orakel, das deinen Gästen mit einem Klick ein Gericht vorschlägt. Ein geheimes Menü hinter einem versteckten Symbol. Ein kleines Spiel, bei dem der Highscore eine Kugel Eis bringt. Ein bisschen Spaß schadet nicht.

Drei Dinge für morgen Vormittag
Wenn du drei Dinge aus diesem Beitrag direkt mitnehmen willst, dann diese:
- Platziere deine Speisekarte als Text auf der Website. Damit die KI sie auslesen und bei Fragen vorschlagen kann.
- Beantworte auf der Website die Fragen, die öfter als einmal gestellt wurden. Parkplätze, Barrierefreiheit, Hund, Allergien, Feiertag.
- Überleg dir, wie du Online-Reservierungen einbauen kannst. Entweder über ein Reservierungstool oder ganz einfach über ein strukturiertes Formular.
Eine Website räumt keinen Tisch auf. Aber sie sorgt dafür, dass überhaupt jemand am Tisch sitzt.
Nicht nur für die Gastronomie: das Prinzip gilt für fast jede Branche
Ein wichtiger Punkt zum Schluss. Auch wenn der Vortrag für die Gastronomie gedacht war: das dahinter liegende Prinzip gilt für fast alle Selbstständigen und kleinen Unternehmen.
Eine Website kann in jeder Branche viel mehr sein als eine digitale Visitenkarte. In einer Psychotherapie-Praxis übernimmt zum Beispiel ein Kontaktformular die Erst-Filterung: Wer nach Einzeltherapie fragt, bekommt automatisch den Hinweis zur Warteliste, alle anderen Anfragen eine ehrliche Rückmelde-Frist. Die Praxis-Inhaberin muss nicht mehr jede einzelne Mail selbst beantworten. In einem Handwerksbetrieb sortiert ein Formular Anfragen nach Dringlichkeit und Region. Bei einer Coachin filtert es, welches Angebot zum Thema passt.
Die eigentliche Frage ist also, egal ob du Restaurant, Praxis oder Werkstatt betreibst: welche Aufgaben erledigst du jeden Tag manuell, obwohl deine Website sie übernehmen könnte?
Wenn du magst, schauen wir gemeinsam drauf
Wenn du Lust hast, über deine aktuelle Website zu sprechen, buch dir gerne einen kostenlosen Kennenlerntermin bei mir. Wir schauen uns dein Lokal oder dein Business im Internet an und ich sage dir ehrlich, was ich sehe. Keine Angst, ich beiße nicht. Ich schaue nicht nur, ob deine Speisekarte ein Bild ist. 😊



